Man konnte ihm nicht entgehen …

Den gläsernen Säbel, den das Wertheimer Glasmuseum präsentieren kann, hat Hans Löber irgendwann in den 50er-Jahren in Paris gekauft, die Spitze sei »leider irgendwann beim Putzen abgebrochen«, bedauert Marianne Tazlari. Aber die Geschichte um den Fürsten, die solle man dennoch erzählen: »Es hätte schließlich auch ein solcher Säbel sein können, der in der Geschichte vorkommt.«
Skandalöse Liebschaften
Der Löwensteiner habe 1735 eine gewisse Zeit in Venedig verbracht. Damals lag das Antlitz der Serenissima schon reichlich in Falten – der Handel lief längst nicht mehr über die Lagune, das Gros des venezianischen Adels grämte sich verarmt in verfallenden Palästen. Diese Traurigkeit kannte Dominik Marquard aber nicht, offenbar hatte er reichlich Geld, um es zu verprassen. Rauschende Feste und skandalöse Liebschaften soll der Fürst sich geleistet haben. »Der Glanz hat alles überstrahlt, was die Stadt zu bieten hatte«, berichtet Marianne Tazlari.
Die Noblen sollen es dem Deutschen geneidet haben und Mord sei das Mittel der Wahl gewesen, die Welt wieder ins Lot zu bringen. Mörder oder Spion waren durchaus anerkannte Berufe im damaligen Venedig. Schnell sei jemand gefunden gewesen, der dem Fürsten gegen Bezahlung im Dunkel aufgelauert hat, um ihm einen Dolch in den Leib zu stoßen: »Gerade so, als trage der Fürst ein Kettenhemd«, sei dieser schwere Dolch an ihm abgeprallt, berichtet die Sage.
Den zweiten Mordversuch habe man dann mit Pistolen unternommen, doch auch die Kugeln scheinen am Missliebigen einfach abgeprallt zu sein. Vollkommen unverletzt sei er auch dieses Mal entkommen, und eine nachgereichte Menge Gift habe ihm auch nichts anhaben können, sagt die Museumsleiterin.
Wie sie weiter berichtet, hätten die aufgeklärten Venezianer sich mit der Unsterblichkeit des Dominik Marquard nicht abfinden wollen. Mit Alkohol habe man nunmehr den Diener des Fürsten gefügig gemacht, und der habe preisgegeben, dass sein Herr unglaubliche Fertigkeiten von einem Wildschütz im Spessart erlernt habe: »Weder Gift noch Kugeln noch Eisen können meinem Herrn etwas anhaben.«
Nun sei der Ehrgeiz der Venezianer wirklich geweckt gewesen und man habe einen Mörder nach Murano ausgeschickt, auf dass er sich dort mit einem gläsernen Dolch versorge, der dem Spuk ein Ende machen könne. So ausgestattet, soll der Mord dann gelungen sein. »Es ist bis heute nicht bekannt, wer unter den Venezianern den Mörder bezahlt hat«, sagt Marianne Tazlari. Bei dem Mord jedenfalls sei die Spitze des Dolches abgebrochen, und nach der Überführung des Leichnams entdeckt worden: »Der Legende nach befand sie sich noch lange in fürstlichem Besitz. Aber unsere Säbelspitze war es wie gesagt nicht.«

Marianne Tazlari
Glasmuseum Wertheim

 

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